Deshalb lohnt sich ein Investment in die Widerstandsfähigkeit von Mensch und Organisation.

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04.02.21 07:53 AM

Beweglich, aber robust.

«Ohne gute Heringe bricht jedes Zelt zusammen. »


Resilienz ist in aller Munde und wird breit thematisiert. Das Wort stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet «abprallen» oder «zurückspringen». Jedoch existiert dafür keine allgemeingültige Definition. Assoziiert wird der Begriff mit der Widerstandsfähigkeit, Flexibilität und auch Belastbarkeit. Ein resilientes System kann also Irritationen ausgleichen und standhalten, dies bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der eigenen Integrität. 


Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts fand in der Psychologie ein Paradigmenwechsel statt. Fokussierte sich zuvor die psychologische Forschung auf negative Einflüsse, so entstanden neu psychologische Modelle, wie Salutogenese, Selbstwirksamkeit oder Coping. Diese haben allesamt das Ziel, Denk- und Verhaltensweisen zu verändern oder zu entwickeln. Es wurde festgehalten und neurobiologisch bestätigt, dass ein Mensch jederzeit in der Lage sein kann, in sich selbst oder in seinem Umfeld neue Ressourcen zu generieren. Diese stützen ihn bei der Bewältigung von Krisen. Das Resilienz Modell geht darüber hinaus. Es beinhaltet erweitert den Blick auf die äusseren Faktoren und somit vollumfassend die Interaktion von Mensch und Umwelt. (S.K. Wellensiek, 2011) 

Diese Heringe stützen Sie.

Unter dem Resilienz Zelt gibt es sieben Heringe, welche die psychische Widerstandsfähigkeit unter unbeständigen Lebensbedingungen stärken. 


Drei Heringe stehen für die persönliche Grundhaltung:


  1. Optimismus
  2. Akzeptanz
  3. Lösungsorientierung


Gefolgt von den vier Fähigkeiten:


  1. Opferrolle verlassen
  2. Verantwortung übernehmen
  3. Beziehungen gestalten
  4. Zukunft gestalten


Egal, wie stark man diese Heringe bereits gesetzt hat, sie können immer wieder locker werden. Das heisst, dass wir von einem kontinuierlichen Realisätscheck nicht verschont werden. Auch hier gilt der iterative Prozess der Reflektion und der Übung. Ein Leben lang.



Standfest bei jeder Wetterlage.

Nun kann es sein, dass man schon eine ausgesprochen resiliente Persönlichkeit ist. Und doch ertappt man sich beruflich wie auch privat dabei, dass man nicht weiterkommt. Entweder sitzt der Hering so stark, dass kein Raum für Beweglichkeit vorhanden ist. Oder er löst sich immer wieder von selbst. Es kann hilfreich sein, kurz inne zu halten und sich mit jemandem darüber zu unterhalten. Ein Gespräch kann schon Wunder bewirken.


Was heisst das konkret auf die sieben Heringe bezogen?


  1. Optimismus: Gefangen in den Gedanken «das passiert nur mir…». Da kann ein Perspektivenwechsel helfen. Beispielsweise mit einer humorvollen Betrachtungsweise.
  2. Akzeptanz: Man ist entweder im «Nörgel- oder Grübelmodus». Hilfreich ist dabei, die Aufmerksamkeit auf kleine Erfolge zu richten.
  3. Lösungsorientierung: Die einseitige Problemorientierung blockiert. Ungewohnte Methoden oder Inspiration von aussen können diese lösen.
  4. Opferrolle verlassen: Motivation oder Orientierung fehlen. Blick auf das Selbstbewusstsein und die eigenen Stärken relativieren vieles.
  5. Verantwortung übernehmen: Selbstzweifel sind hier oft Bremser. Fehler als Lernchancen für die eigene Entwicklung betrachten. Die Verantwortung für das eigene Tun, Denken und Fühlen übernehmen.
  6. Beziehungen gestalten: Fehlende Netzwerke oder übertriebene Erwartungen an andere können im Erreichen der eigenen Ziele hemmend sein. Die Wirkung einer langfristigen und bewussten Beziehungsgestaltung wird oft unterschätzt.
  7. Zukunft gestalten: Das Ignorieren von Krisen kann ein kurzfristiger Eigenschutz sein. Annahmen und die Wahlmöglichkeiten vor Augen führen, ist hilfreich für eine klare Sicht.


Wenn alle Mitarbeitenden ihre Heringe pflegen, stärkt das auch die Organisation. So kann ein grosses, flexibles Zirkuszelt entstehen, welches für Wunder sorgt.



Unterstützung annehmen als Selbstverständnis.

Trifft einer der oben geschilderten Situationen auf Sie zu?


Es kann sein, dass es Ihnen heute gut geht und morgen sind Sie im «Nörgel-Modus» oder sehen keine Lösung mehr. Diese Situationen haben wir alle mehrmals täglich mal mehr mal weniger ausgeprägt. Gut ist es, wenn man weiss, es gibt einen Plan B und man ist nicht alleine. 


Also, seien Sie es sich wert und rufen Sie ungeniert an, damit Ihr Zelt wieder stabil ist. 

Autorin, Sandra Jauslin